Lesen, Schreiben, Notizen machen, Dokumente prüfen und ein bisschen produktiv arbeiten – all das auf einem 10,3-Zoll-E-Ink-Display, das nicht mit dem iPad konkurrieren, sondern sich von ihm abgrenzen will. Das verspricht die neue BOOX Go 10.3 Gen II Serie, bestehend aus zwei Modellen: dem BOOX Go 10.3 Gen II und dem BOOX Go 10.3 Gen II Lumi.
Auf dem Papier ist das Angebot klar: ein dünnes, leichtes E-Ink-Tablet mit Android 15, Zugriff auf den Google Play Store und einem mitgelieferten Stift zum Notieren wie in einem Notizbuch. Der entscheidende Unterschied liegt in der Beleuchtung. Das Standardmodell setzt auf die reine E-Ink-Philosophie, während die Lumi-Version erstmals eine anpassbare Frontbeleuchtung mit warmen und kalten Farbtönen bietet.
Design und Materialien
Das BOOX Go 10.3 Gen II besticht durch sein extrem schlankes Design, fast wie ein hochwertiges Notebook. Das Standardmodell ist nur 4,6 Millimeter dünn, die Lumi-Version mit 4,8 Millimetern aufgrund der integrierten Frontleuchte etwas dicker. Beide wiegen 365 Gramm – ein sehr angemessener Wert für ein 10,3-Zoll-Gerät, das in einen Rucksack, Ordner oder eine Aktentasche passt.

Diese Produktreihe vermittelt den Eindruck eines Begleiters für den Alltag. Sie verzichtet auf grelle Farben und ein auffälliges Design im Tablet-Stil. Ihr unaufdringliches, desktopfreundliches und auf Meetings ausgerichtetes Erscheinungsbild macht sie zu einem echten Werkzeug, das nicht viel Aufhebens darum machen muss. Sein Wert zeigt sich erst, wenn man es einen ganzen Vormittag lang zum Notieren, Durchsehen von PDFs oder Lesen von Dokumenten nutzt.
Das 10,3-Zoll-Format ist wahrscheinlich die optimale Größe für dieses Gerät. Ein 6- oder 7-Zoll-Bildschirm ist zum Schreiben oder Bearbeiten von Dokumenten zu klein, während ein größeres Tablet schnell unbequemer wird. Hier ist genügend Platz, um Anmerkungen am Rand zu machen, Inhalte zu strukturieren und zu lesen, ohne ständig hineinzoomen zu müssen.
Neuer InkSense Plus Stift
Der InkSense Plus-Stift ist ein Schlüsselelement des Nutzererlebnisses. Er unterstützt 4.096 Druckstufen und Neigungserkennung – zwei technische Spezifikationen, die in der Praxis ein natürlicheres und flüssigeres Schreiben ermöglichen. Es geht nicht nur darum, dass der Strich auf dem Bildschirm erscheint, sondern auch darum, dass er logisch auf den Handdruck und den Stiftwinkel reagiert.

E-Ink bietet gegenüber dem Glas eines herkömmlichen Tablets einen klaren Vorteil: Das Schreibgefühl ist in der Regel trockener, kontrollierter und rutschfester. Es ist zwar nicht ganz Papier – denn kein digitales Gerät ist Papier –, kommt diesem Gefühl aber näher als ein glänzender Bildschirm, auf dem der Stift leicht abrutscht. Bei längeren Notizen, Diagrammen, To-do-Listen oder beim Durchsehen von Dokumenten ist dieser Unterschied deutlich spürbar.
BOOX bietet außerdem Organisationswerkzeuge wie Lasso, Einfügen, Gliederungen und Schlagwörter. Bei effektiver Nutzung verwandeln diese Funktionen ein digitales Notizbuch in etwas deutlich Flexibleres als ein herkömmliches. Sie können Blöcke verschieben, Ideen neu anordnen, Themen verschlagworten und so eine Art lebendiges Archiv erstellen. Für Studierende, Berater, Lehrkräfte oder Berufstätige, die viel Zeit in Meetings verbringen, kann dies genau die Art von Komfort sein, die letztendlich Gewohnheiten verändert.
Der übliche Bildschirm
Beide Modelle verfügen über ein 10,3 Zoll großes, monochromes eInk Carta 1200-Display mit einer Auflösung von 300 dpi. Diese Kombination ist ideal für Texte, Dokumente, Bücher, Artikel und Notizen. Der Verzicht auf Farbe kann bei der Arbeit mit komplexen Grafiken, Comics oder anderen visuellen Inhalten eine Einschränkung darstellen. Gleichzeitig ist es aber auch eine logische Wahl: Diese Serie konzentriert sich auf Lesen und Schreiben und nicht auf die Nutzung als Allzweckdisplay.

Die Bildschärfe ist eine der größten Stärken des Geräts. Dank der 300 ppi ist das Lesen von Kleingedrucktem, das Durchblättern von PDFs und stundenlanges Arbeiten vor dem Bildschirm sehr angenehm – ganz ohne die Härte eines LCD- oder OLED-Panels. E-Ink leuchtet nicht wie ein herkömmliches Tablet und ist zudem auch bei direkter Sonneneinstrahlung hervorragend ablesbar. Selbst im Freien, wo viele Bildschirme zu teuren Spiegeln werden, sieht dieses Display großartig aus.
Hardware und Konnektivität
Im Inneren arbeitet ein Octa-Core-Prozessor von Qualcomm, 4 GB RAM und 64 GB Speicher. Diese Spezifikationen beeindrucken vielleicht nicht jeden, der von herkömmlichen Android-Tablets kommt, sind aber für ein E-Ink-Gerät absolut angemessen. Der E-Ink-Bildschirm bestimmt die Nutzungsgeschwindigkeit: Videos bearbeiten, Spiele spielen oder Benutzeroberflächen mit 120 Hz bedienen ist nicht möglich. Wichtig ist, dass das Öffnen von Dokumenten, das Wechseln zwischen Notizen, die Nutzung von NeoReader und das Navigieren durch kompatible Apps – trotz der technologischen Einschränkungen – flüssig funktionieren.
Die 64 GB Speicherplatz scheinen für die Zielgruppe ausreichend zu sein. Bücher, PDFs, Notizen, Arbeitsdokumente und digitale Notizbücher benötigen deutlich weniger Speicherplatz als Videos oder Spiele. BOOX hebt zudem die Kompatibilität mit 26 Dateiformaten hervor und unterstreicht damit die Eignung des Geräts als portables Archiv für Dokumente.
Die Konnektivität umfasst WLAN und Bluetooth 5.1 sowie integrierte Lautsprecher und Mikrofone. Dadurch ergeben sich zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten wie Audiowiedergabe, Sprachnotizen aufnehmen oder drahtloses Zubehör verbinden. Ich glaube nicht, dass jemand ein BOOX Go 10.3 Gen II wegen der Lautsprecher kauft, aber ich finde es gut, dass sie vorhanden sind. Sie gehören zu den Funktionen, die zunächst nebensächlich erscheinen, bis man sie in einem Meeting oder einer Vorlesung braucht.
Android macht den Unterschied
Der Sprung auf Android 15 ist eines der stärksten Verkaufsargumente dieser Generation. Viele E-Ink-Tablets leiden unter geschlossenen, eingeschränkten Systemen oder sind zu stark von den Apps des Herstellers abhängig. BOOX verfolgt einen anderen Ansatz: Es behält seine eigene Benutzeroberfläche und Apps bei, ermöglicht aber gleichzeitig den Zugriff auf den Google Play Store.

Entscheidend ist, es als Werkzeug für konzentriertes Arbeiten zu verstehen. Kindle, Kobo, Drive, Dropbox, OneNote, PDF-Manager oder Lese-Apps eignen sich hervorragend dafür. Instagram, YouTube oder Apps, die auf schnelles Scrollen und leuchtende Farben ausgelegt sind, entsprechen genau dem Zweck dieses Geräts.
Batterie und Autonomie
Der Akku hat eine Kapazität von 3.700 mAh. Bei einem herkömmlichen Tablet klingt das bescheiden, gerade noch ausreichend. Doch mit E-Ink sieht die Sache anders aus. Dieser Bildschirmtyp verbraucht deutlich weniger Strom bei der Anzeige statischer Inhalte. Lesen, Notizen machen oder Dokumente durchsehen – so kann die Akkulaufzeit je nach Nutzung um Tage oder sogar Wochen verlängert werden.
- Wir haben 10 Tage ohne Aufladen genossen…
Die tatsächliche Akkulaufzeit hängt stark davon ab, ob Sie ständig WLAN, Android-Apps, Cloud-Synchronisierung oder die Frontleuchte nutzen. Die Philosophie bleibt jedoch klar: Dieses Gerät ist nicht für den Dauerbetrieb am Stromnetz konzipiert.
Meinung des Herausgebers
Es handelt sich um ein Nischenprodukt, aber um eine zunehmend relevante Nische: die derjenigen, die Technologie zum Denken benötigen, nicht nur zum Konsumieren.
Es ist nicht billig, nicht für jeden geeignet und erhebt auch nicht den Anspruch, spektakulär zu sein. Doch genau darin liegt sein Reiz. Das BOOX Go 10.3 Gen II ist ein leises, schlankes und fokussiertes Gerät, das nicht versucht, Ihre Aufmerksamkeit zu stehlen, sondern sie Ihnen zurückgibt. Die Frage ist, ob dieses Versprechen den Preis von 419,99 € für das Standardmodell oder 449,99 € für die Lumi-Version rechtfertigt.